Wilder Kaiser - Herbst 2019

Freitag, 25.10.2019: Anreise

Um 14:30 Uhr treffen wir (Leo, Gigi, Bene, Johannes) uns in Limbach und kontrollieren nochmal, ob auch jeder seinen Klettergurt dabei hat. Dann geht es mit dem Auto zur Wochenbrunner Alm und nach einem 20minütigen Spaziergang stehen wir um kurz vor 19:00 Uhr vor dem Winterraum der Gaudeamushütte. Wie immer ist der Moment, wenn man probiert ob der AV Schlüssel funktioniert, äußerst spannend, doch es geht alles gut und kurze Zeit später sind wir mit dem Anschüren des Ofens beschäftigt. Leider klappt das Ganze nicht so reibungslos wie das Öffnen der Tür und wir kämpfen mehr als eine Stunde im dichten Rauch, bis das widerspenstige Ungetüm endlich durchzündet. Durch den unerwarteten Kampf mit dem Ofen erschöpft futtern wir noch ein paar Nudeln und treten dann auch schon den Matratzenhorchdienst an, damit wir morgen fit sind.

Samstag, 26.10.2019: Kopftörlgrat

Wir stehen bereits um 5:00 Uhr auf, und nach einem kurzen Frühstück geht es um 6:15 Uhr von der Gaudeamushütte Richtung Gruttenhütte (1620 m). Dort angekommen können wir bereits die Stirnlampen sicher verpacken und steigen weiter zum Kopftörl (2058 m) auf. Unser Timing ist perfekt und so können wir bereits um 8:30 Uhr den Gipfelsturm Richtung Ellmauer Halt über den Kopftörlgrat (400 hm; III+) in Angriff nehmen. In zwei Seilschaften

Kletterei am Kopftörlgrat

 (Benedikt, Johannes und Christoph, Leo) wird der erste Gratturm umgangen, der zweite überklettert, der dritte wieder umgangen und so weiter... Am fünften Turm angekommen, genannt Kapuzinerturm. erblicken wir unseren Gipfel in voller Pracht. Doch Vorsicht ist geboten, denn zwei schwere Kletterstellen wollen sich unserem Gipfel noch in den Weg stellen. In der ersten Stelle muss zuerst über eine glatte Platte abgeklettert werden, dann mit viel Luft unter den Füßen an einer leicht überhängenden Wulst auf der anderen Seite wieder hoch. Die Stelle erwies sich dann doch leichter als gedacht und wir treten unserem letzten Gegner gegenüber, ein glatter, häufig nasser, enger Kamin. Doch schon alte Bergsteigerlegenden sagten, „Man könne aus einem Riss gar nicht rausfallen, höchsten steckenbleiben!“. Also traten wir dem Gegner zähneknirschend entgegen und er spuckte uns am Gipfel, zu unserem Glück, trocken um 13:00 Uhr wieder aus. Nach dem obligatorischen Gipfelfoto auf der Ellmauer Halt (2344 m) stärken wir uns einige Meter unterhalb des Gipfels für den Abstieg und packen unser Klettergraffel in die Rucksäcke. Gut gestärkt steigen wir über den Gamsängersteig ( C ) ab. Schließlich geht es über ein Schneefeld zur Gruttenhütte zurück, wo wir über denselben Weg wie im Aufstieg absteigen. Um 17:09 Uhr sind wir bereits zurück an der Gaudeamus Hütte. genießen die letzten Sonnenstrahlen des Tages und suchen Feuerholz zum Kochen und Heizen. Wie Leo schließlich feststellte haben wir heute eine andere Holzmischung, die deutlich intensiver ist. Nach einer Stunde harter Arbeit zündete der Ofen endlich durch und es gibt wieder Nudeln mit Tomatensoße zum Abendessen. Zu guter Letzt planen wir noch den kommenden Tag und träumen schließlich von rostigen Schlaghaken, eisenfestem Fels und Steinschlag.  

Am Gipfel der Ellmauer Halt

Sonntag, 27.10.2019: Christakante

Heute war Zeitumstellung, weshalb wir uns daraus einen Zeitvorteil erhoffen. Wir schlafen gemütlich, bis uns Bene*s Wecker um 4:00 Uhr aus den schönsten Träumen reißt. Beim Aufstehen sind wir träge und Bene meckert über den frühen Tagesbeginn, doch wir reißen uns zusammen und laufen um 5:15 Uhr in Richtung Elmauer Tor los. Es ist ein wunderschöner Tagesbeginn und wir wundern uns, wieso wir keine anderen Kletterer sehen. Gegen 8:00 Uhr erreichen wir dann unser erstes Etappenziel und genießen bei einer Pause den Blick in die Fleischbank-Ostwand und die Christa-Kante, unserem heutigen Ziel. Wir ziehen unsere Klettersachen an und Bene und Johannes gehen zum Einstieg. Leo und Gigi folgen ihnen ca. 20 Minuten später. Die ersten beiden Seillängen sind nicht so schön, doch gut zum warm werden. Nach einem Stand in einer Art Schlucht wird die Kletterei mit jedem Zug besser. Leo und Gigi nehmen die direkte Variante (VI), welche super zum Klettern ist ist. Dann kommt die Schlüsselstelle (VI/5 A0), die schon extrem abgespeckt ist. Aber auch diese kann überwunden werden und so genießen wir noch einmal unsere letzten alpinen Klettermeter in diesem Jahr. Am Gipfel erwartet uns ein genialer Rundumblick auf die anderen Kaisergipfel und vom Großglockner bis zur Zugspitze. Nach einer kurzen Gipfelrast seilen wir uns gegen 12:30 Uhr über den Herrweg ab und begegnen den ersten anderen Menschen für diesen Tag. Dafür sind es nun ganz schön viele. Wir nehmen die Abkürzung über das Geröllfeld und sind im Nu am Abzweig zur Ackerlhütte. Dort machen wir Brotzeit und genießen die Herbstsonne bei einem Mittagsschlaf. Gegen 17:15 Uhr sind wir wieder an der Gaudihütte und lüften erst einmal, da es immer noch stark nach Rauch riecht. Wir räumen den Winterraum auf, packen unsere Rucksäcke und sind um 18:00 Uhr wieder am Roten Torero. Die Heimfahrt verläuft ohne große Probleme und um 21:00 Uhr erreichen wir heimischen Boden.

Der Einstieg der direkten Christakante

In der vorletzten Seillänge

Am Gipfel des Christaturms